Konstruktiv Konkret

Helmut Senf & Stine Albrecht

17.9.–29.10.2023

 

In der Doppelausstellung werden Werke von Helmut Senf und Stine Albrecht präsentiert, die beide auf der Insel Rügen leben und arbeiten. Zu sehen sind Stahlplastiken, Malerei, Emailbilder und Siebdrucke von Helmut Senf sowie Wandreliefs, Raumobjekte und Emailbilder von Stine Albrecht. Im Wechselspiel der unterschiedlichen Handschriften vermittelt sich die Verwandtschaft ihrer Arbeitsweisen, die vor allem in der Spielfreude eine Gemeinsamkeit besitzen.

Von dem Rügener Künstler Helmut Senf, der in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden ist, werden Werke aus unterschiedlichen Epochen seines Schaffens gezeigt, darunter auch Malerei und Siebdrucke, in die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Helmut Senf widmet sich seit den 1980er Jahren der konkreten Kunst, die er mit einer großen Spielfreude an der Erfindung neuer Konstellationen und diversen Medien betreibt.

Helmut Senf, der Lehraufträge an der Burg Giebichenstein und der Hochschule Wismar wahrgenommen hat, war maßgeblich an der Entwicklung der Stahlplastik für den öffentlichen Raum in der DDR beteiligt, insbesondere durch die gemeinsam mit Irmtraud Ohme (1937–2002) organisierten Symposien in Staßfurt. Als gelernter Emailleur und Gürtler hat er zudem die kunsthandwerkliche Technik des Schmuckemail auf einzigartige Weise in seinen künstlerischen Bildplatten eingesetzt. Mit der Hinwendung zur konkreten Kunst, adaptierte er die Technik des Industrieemails auf Stahlplatten und hat in dieser „Schildertechnik“ zahlreiche eigene Werke geschaffen sowie das Verfahren an Kolleg:innen auf Rügen weitergegeben. Schon seit den 1980er Jahren entstehen auch Gemälde.

Stine Albrecht bearbeitet vorwiegend industrielle Werkstoffe mit dem Laserschneider und fügt sie konstruktiv ineinander. Dabei nutzt sie die vorgegebene Farbigkeit und Ästhetik des Materials und fertigt Objekte und Wandarbeiten, die sich mit dem Umgebungsraum verbinden und durch die Bewegung der Betrachter:innen im Raum die Wahrnehmung irritieren. Die Künstlerin steht ebenfalls in der Tradition der konkreten Kunst und führt diese fort. Sie „behauptet sich in einer

Formensprache, die mit Kalkül, Reduktion und Handwerklichkeit das freie Spiel rational bändigt“, wie Regina Erbentraut im Katalogtext der Reihe „Signifikante Signaturen“ anmerkt. Stine Albrecht beteiligt sich erfolgreich an Ausschreibungen zu Kunst am Bau und fertigt auch konstruktivistische Schmuckstücke. 2022 war sie im flz | SPACE in Lauterbach zu Gast, zu dem die Galerie Circus Eins in jedem Jahr Künstler:innen aus ganz Deutschland einlädt. Durch ein Praktikum bei Helmut Senf hat sie als Schülerin ihre Begeisterung für die Kunst entdeckt und ist nach erfolgreichem Abschluss ihres Meisterschülerstudiums, heute eine viel beachtete Künstlerin in Mecklenburg-Vorpommern. Ab dem 30. September 2023 nimmt sie an der Ausstellung „No Dresscode“ in dem neu gegründeten Kunstraum rund3 in Kambs teil.

Über die Künstler

Helmut Senf liefert keine Bilderzählungen, sondern konzentriert sich im Sinne der konkreten Kunst auf die Gestaltungselemente: Fläche, Linie, Volumen, Raum und Farbe. Die Kunstform geht mit konkretem Material um, das sie oft nach mathematischen Gesichtspunkten anwendet und bearbeitet. Begrifflich geprägt von Theo von Doesburg und der holländischen De Stijl – Bewegung, weiterentwickelt von Max Bill und Joseph Albers, wird dem kühlen Einsatz der reduzierten Mittel bei Helmut Senf auch die sinnliche und geistige Ebene zugestanden.

Senf gehört zu den namhaften Vertretern der konkreten Kunst im Osten Deutschlands, der regelmäßig zu wichtigen Präsentationen in Deutschland eingeladen wird. Er ist in zahlreichen Sammlungen vertreten und seine Metallplastiken akzentuieren den öffentlichen Raum von Saarbrücken bis Neubrandenburg. Aktuell wird sein Schaffen auch im Grassi Museum Leipzig gewürdigt, dort sind noch bis zum 8. Oktober 2023 Werke aus der Sammlung des Museums im Kontext weiterer Arbeiten zu sehen.

Geboren 1933 in Mühlhausen/ Thüringen, 1948–1951 Lehre als Dekorationsmaler, 1953–1957 Studium am Institut für Künstlerische Werkgestaltung Halle-Burg Giebichenstein (Fachrichtung Metall/ Emailgestaltung), studienbegleitend Lehre als Emailleur (Gesellenbrief), 1957–1961 Emailleur und Gürtler in den kirchlichen Werkstätten Erfurt, Gaststudium an der Hochschule für Industrielle Formgestaltung Halle-Burg Giebichenstein (jetzt Burg Giebichenstein-Kunsthochschule Halle), seit 1961 freischaffend in Erfurt 1978–1990 Hochschullehrer und Lehraufträge an der Hochschule für Industrielle Formgestaltung Halle, 1994 Umzug nach Sassnitz/ Rügen, 1990–2010 Lehrer und Dozent am Berufsbildungszentrum Erfurt, bis 2019 Lehrauftrag an der Hochschule Wismar, FB Gestaltung.

Senf war Gründungsmitglied der Erfurter Ateliergemeinschaft. Diese hat von 1964 bis 1974 Ausstellungen mit non-konformer und kritischer Kunst organisiert und stellt ein für die damalige Zeit einzigartiges Modell einer selbstbestimmten Produktions- und Künstlergalerie dar. Er ist u. a. Mitglied der Künstlergruppe „D 206. Die Thüringer Sezession. Helmut Senf lebt und arbeitet auf Rügen.

Stine Albrecht, geboren 1988 in Stralsund, hat an der Kunsthochschule Weißensee bei Else Gabriel und Albrecht Schäfer Bildhauerei sowie an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, u. a. bei Andrea Zaumseil, Bildende Kunst studiert und war Meisterschülerin von Rolf Wicker. Zu ihren letzten Ausstellungen gehört die Teilnahme an „Betwixt and Between“, der Landesweiten Kunstschau des Künstlerbundes Mecklenburg-Vorpommern im BBK in Stralsund, die Einzelausstellung „A*“ im Kunstverein zu Rostock und die ortsspezifische Installation im flz | SPACE #6 in Lauterbach. Sie lebt und arbeitet seit 2020 auf Rügen.

 


Die Ausstellung wird vom Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten Mecklenburg-Vorpommern gefördert.