Antje Majewski

Antje Majewski, Pflanzen und Tiere in Wietstock, 2021, Öl auf Leinwand, 280 x 200 cm Entwurf für ein Mosaik, entstanden für die „Neuen Auftraggeber von Wietstock“ im Projekt Wietstock (Unser Garten). © Antje Majewski / VG Bild-Kunst, Bonn, Courtesy die Künstlerin und neugerriemschneider, Berlin Foto: Jens Ziehe

AUF DEM LAND (WIETSTOCK)

3.12.22–29.1.23

Eröffnung 3.12.2022 von 17:00 bis 19:00 Uhr

Wie lebt es sich auf dem Dorf? Was kann man aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen? Und wie kann wieder Gemeinschaft entstehen? Antje Majewskis Video „Auf dem Land“ befragt Dorfbewohner:innen aus Wietstock in Vorpommern zu ihrer Geschichte und ihren Wünschen. Ein Gemälde zeigt Pflanzen und Tiere, die ihnen wichtig sind.

Antje Majewskis Einzelausstellung Auf dem Land nimmt ihren Ausgang in einem Projekt für die Neuen Auftraggeber von Wietstock. Im Dialog mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der Ortschaft in Vorpommern hat sie ein dreiteiliges Kunstprojekt entwickelt: einen offenen Pavillon, der Sonnenenergie für das Dorfhaus sammelt, einen Gemeinschaftsgarten, in den das Wissen der eigenen Gärten einfließt – und ein Mosaik, das nach dem Entwurf der Künstlerin gefertigt wurde und als Kernstück des gesamten Projekts am 22. Oktober 2022 feierlich eingeweiht wurde. Nun gibt die Galerie CIRCUS EINS anhand eines großformatigen Gemäldes, einer Videoarbeit sowie dokumentarischer Fotografien Einblicke in diesen Prozess.

Abbildung: Antje Majewski, Pflanzen und Tiere in Wietstock, 2021, Öl auf Leinwand, 280 x 200 cm, Entwurf für ein Mosaik, entstanden für die „Neuen Auftraggeber von Wietstock“ im Projekt Wietstock (Unser Garten). © Antje Majewski / VG Bild-Kunst, Bonn, Courtesy die Künstlerin und neugerriemschneider, Berlin Foto: Jens Ziehe

Antje Majewski, Auf dem Land (Wietstock), 2022, Videostill, © Antje Majewski / VG Bild-Kunst, Bonn, Courtesy die Künstlerin und neugerriemschneider, Berlin

Majewskis „Tiere und Pflanzen aus Wietstock“ (2021) ist eine Hommage an die Natur und die Menschen des Dorfes. Die Malerei auf Leinwand ist verschiedenen Tieren und Pflanzen gewidmet, die für einzelne Mitglieder der Dorfgemeinschaft besonders bedeutsam sind und von der Gruppe der Auftraggeberinnen benannt wurden. Es werden für Wietstock typische Tiere und Pflanzen, etwa Kornblumen, Butterblumen, Jasmin, eine Schwalbe und eine Schleiereule abgebildet, aber auch eine Kuh. Sie schweben in Vignetten auf einem tiefblauen, abstrakten Hintergrund, der an Landschaft und Himmel denken lässt, ohne sie abzubilden. Das Gemälde bildete die Grundlage für das im Garten vom Dorfhaus Wietstock dauerhaft installierte Mosaik, um das herum im nächsten Schritt der Pavillon entstehen soll.

Antje Majewski, Auf dem Land (Wietstock), 2022, Videostill, © Antje Majewski / VG Bild-Kunst, Bonn, Courtesy die Künstlerin und neugerriemschneider, Berlin

Im Video „Auf dem Land (Wietstock)“ (2022) erzählen die Bewohner:innen von Wietstock selbst die Geschichte des Dorfes, beschreiben die Wandlungen der Eigentumsverhältnisse und die unterschiedliche Nutzung von Land: vom ursprünglich feudalen Gut über die Aufsiedlung des Dorfes im Nationalsozialismus, die Ankunft der Flüchtlinge, die nach 1945 kleine Hofstellen erhielten, dann die Vergemeinschaftung der Wirtschaften in der LPG, die Rückübereignung nach der Wende, und die Übernahme der Böden durch die industrielle Landwirtschaft. Zugleich folgen wir der Transformation des Dorfes von einem Ort, in dem Menschen auf dem Land leben, auf dem sie auch arbeiten und autark sämtliche Lebensmittel, Fleisch, Bauholz, Wolle und Flachs produzierten, zu einem Ort, dessen Bewohner:innen ganz unterschiedliche Berufe haben, aber so gut wie gar nicht mehr in der Landwirtschaft arbeiten. Zugleich tragen viele in ihren Gärten das bäuerliche Wissen über den Anbau von Obst und Gemüse und die Zucht von Hühnern und Gänsen fort.

Wie kann eine neue Dorfgemeinschaft entstehen, wenn man nicht mehr zusammenarbeitet, wenn man ganz unterschiedliche, individuelle Lebensentwürfe lebt? Und wie empfinden die Bewohner.innen von Wietstock die Veränderungen in ihrer Verbindung zu dem Land und der Landschaft um sie herum?

Über die Künstlerin
Antje Majewski (geb. 1968, Marl) beschäftigt sich in ihren Installationen, Gemälden und Videoarbeiten mit dem Umgang von Menschen mit kulturellen Objekten, Pflanzen und Ökosystemen. Mit einem besonderen Interesse an kultureller und geobotanischer Migration erforscht sie orale Geschichte(n) und Transformationsprozesse, Fragen nach Eigentum und Selbstwirksamkeit. Ein wichtiger Bestandteil von Majewskis Schaffen ist die Zusammenarbeit mit anderen Künstler.innen, mit ökologischen und anderen bürgerschaftlichen Gruppen, sowie mit Wissenschaftler:innen.

Arbeiten von Antje Majewski wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt, unter anderem im Kunstmuseum Thun, Thun (2021); Gropius Bau, Berlin (2019); Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin (2018); CCA Tel Aviv (2016); Zentrum für zeitgenössische Kunst Schloss Ujazdowski, Warschau (2016); Museum Abteiberg, Mönchengladbach (2015); Muzeum Sztuki, Lodz (2014); Deutsche Bank Kunsthalle, Berlin (2013); Frankfurter Kunstverein, Frankfurt am Main (2013); Heidelberger Kunstverein, Heidelberg (2013); Villa Romana, Florenz (2012); Weltkulturen Museum, Frankfurt am Main (2012); Kunsthaus Graz, Graz (2011); und Salzburger Kunstverein, Salzburg (2008).

Antje Majewski studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Philosophie in Köln, Berlin und Florenz. Seit 2011 ist sie Professorin für Malerei an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Himmelpfort.

Ausgewählte Veröffentlichungen: How to talk with birds, trees, fish, shells, snakes, lions and bulls, hrsg. von Ina Dinter und Antje Majewski, Nationalgalerie / Staatliche Museen zu Berlin (Dortmund: Kettler, 2018); Der Apfel. Eine Einführung (Immer und immer und immer wieder), hrsg. von Aleksandra Jach, Antje Majewski, Amy Patton, Joanna Sokolowska und Susanne Titz, Museum Abteiberg Mönchengladbach (Berlin/New York: Sternberg Press, 2016); Antje Majewski: Der Meteorit (Heidelberg: Heidelberger Kunstverein, 2014); Die Gimel-Welt: Wie man Objekte zum Sprechen bringt, hrsg. von Adam Budak und Peter Pakesch, Kunsthaus Graz (Berlin: Sternberg Press, 2011); Antje Majewski: My Very Gestures, hrsg. von Hemma Schmutz und Caroline Schneider, Salzburger Kunstverein (Berlin: Sternberg Press, 2008).

Neue Auftraggeber

Die Neuen Auftraggeber von Wietstock im Kreis der Dorfgemeinschaft zur Einweihung des Mosaiks von Antje Majewski am 22.10.2022 (Foto: Susanne Burmester)

Zeitgleich zu Antje Majewskis Ausstellung „Auf dem Land (Wietstock)“ werden die Neuen Auftraggeber als europäisches Erfolgsmodell vorgestellt. Im Rahmen der Initiative wurden seit 1990 mehr als 500 Projekte umgesetzt. Seit 2017 sind auch Bürgerinnen und Bürger in ganz Deutschland zu Neuen Auftraggebern geworden, u.a. in Züsedom, Greifswald und Kasnevitz auf Rügen. Das soeben im Spector Verlag Leipzig erschienene Buch zur „Kunst im Bürgerauftrag“ stellt auf 220 Seiten 17 Projekte in Fallstudien vor und ist in der Ausstellung erhältlich.

Die Initiative der Neuen Auftraggeber bietet Menschen die Möglichkeit, bei namhaften Künstlerinnen und Künstlern Projekte der Kunst, Literatur, Architektur oder Musik in Auftrag zu geben. So entstehen Kunstwerke oder künstlerische Projekte, die Antworten auf dringliche Fragen der Gesellschaft im Lebensumfeld der Auftraggeber geben. Alle entstehenden Werke sind gemeinnützig, öffentlich und nicht-kommerziell.

Das Videoprojekt von Antje Majewski wurde gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und Stiftung Kunstfonds im Rahmen von NEUSTART KULTUR. Die Initiative der Neuen Auftraggeber wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Bundeszentrale für politische Bildung.

Weitere Informationen zur Künstlerin Antje Majewski finden Sie hier.
Weitere Informationen zum Auftrag von Wietstock finden Sie
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Weitere Informationen zu den Neuen Auftraggebern finden Sie
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Beide Ausstellungen sind bis zum 29. Januar 2023 jeweils Freitag bis Sonntag von 13 bis 17 Uhr zu sehen.